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Beschreibung der getesteten Wandler

Bei unseren Hörtests haben wir sechs verschiedene ADDA-Wandler eingesetzt, von denen einer mit einer Abtastrate von 44,1 kHz, drei mit 48 kHz und zwei mit 96 kHz arbeiten.

Bei den 48 kHz-Wandlern handelte es sich um den Lake People ADDAC F 45, von dem uns der erste verfügbare Prototyp zur Verfügung stand, und um ein modulares System der Firma Stage Tec, das auf Basis der Nexus-Kreuzschiene die neue 28 bit-Wandlerkarte XMAD enthielt. Außerdem hatten wir kurzzeitig zusätzlich noch den Daniel Weiss ADC1 AD-Wandler mit im Test. Da der ADC1 ein reiner AD-Wandler ist, haben wir ihn zusammen mit dem StageTec-Wandler als DA-Konverter eingesetzt. Als Vertreter der 96 kHz-Klasse standen uns der dCS 902 D zusammen mit dem dCS 952 sowie der SEK´D ADDA 2496 S, ein weiterer Prototyp in unserem Test, zur Verfügung. Zum Vergleich der 24 bit Signale mit dem CD-Standard wurden von uns der Tascam DA-30 DAT-Recorder bei 44,1 kHz mit 16 bit als ADDA-Wandler sowie die dCS ADDA-Kombination als 24 bit-Wandler mit integriertem Noise-Shaping dritter Ordnung auf 16 bit verwendet.

Alle Angaben zu den verwendeten Wandlern beruhen auf Herstellerangaben.

Lake People ADDAC F 45

Bei dem ADDAC F 45 der Firma Lake People handelt es sich um einen AD- und DA-Wandler, der in seiner entgültigen Form auch 96 kHz Samplinfgrequenz ermöglichen wird. Leider war aufgrund des Prototypenstadiums der Einsatz des DA-Wandlers bei 96 kHz während unserer Tests noch nicht möglich, so dass der ADDAC F 45 in unserem Test nur bei 48 kHz eingesetzt wurde. Die Probleme des 96 kHz-DA-Teils sind nach Angaben des Herstellers auf den verwendeten Chip Crystal CS 5396 zurückzuführen, der aufgrund einer sehr hohen Verlustleistung und damit einhergehender Wärmeentwicklung sowie erheblicher Kalibrierungsschwierigkeiten nicht in der Lage war, sich auf das anliegende 96 kHz-Signal zu synchronisieren. Aus diesem Grund wird von Lake People nun ein 24 bit-Wandlerchip der Firma AKM eingesetzt, der ca. 117 dB Dynamik erreichen wird. Der ADDAC F 45 hat in der von uns eingesetzten Version einen Dynamikumfang von 115 dB (A-bewertet). Ein sehr interessantes Konstruktionsmerkmal der Lake People-Wandler ist die Verwendung einer Pick-up Platine für die Wandlerelektronik. Dadurch kann der verwendete Wandlerschaltkreis schnell gegen ein anderes Modell ausgetauscht werden, ohne dass die restliche Elektronik dafür angetastet werden muss. Der Preis des Lake People ADDAC F 45 beträgt ca. DM 5.100,-.

Stage Tec XMAD/XDA

Bei dem Wandler der Firma Stage Tec handelt es sich um Einschubkarten für das Nexus-Kreuzschienensystem. Der AD-Wandler der XMAD-Karte arbeitet mit dem eigenen, patentierten TrueMatch-Verfahren bis 48 kHz. Hierbei setzt Stage Tec pro Kanal vier einzelne Wandler ein, die ihre Ausgangssignale pegelabhängig ineinanderblenden. Dadurch wird zu jedem Eingangspegel ein exakt entsprechendes Ausgangssignal erzeugt. Um dies zu erreichen, müssen die immer vorhandenen konstruktionsbedingten Unterschiede der Wandler rechnerisch ausgeglichen werden. Das TrueMatch-Verfahren erstellt dabei bei jedem Sample eine Fehlerberechnung, so dass die auftretenden statischen und auch die während des Betriebs veränderlichen Werte, wie z. B. Temperaturdrift, Gleichstrom-Offset oder Bauteilealterung, mit Hilfe eines DSP´s herausgerechnet werden. Durch die Verwendung dieses Verfahrens wird ein linearer 28 bit-Wandler realisiert, der an den AES/EBU Ausgängen ein 24 bit-Signal zur Verfügung stellt. Durch das Eigenrauschen der Eingangsstufe und des Wandlers von -134 dBu (entspricht dem Rauschen eines 60 Ohm Widerstandes) und die Möglichkeit, Pegel bis +22 dBu zu verarbeiten, erreicht der TrueMatch-Wandler einen Dynamikumfang von 156 dB.

Das Besondere dieses Wandlers besteht in der Möglichkeit, ein Mikrofon direkt ohne Mikrofonvorverstärker anschließen zu können, da das Rauschen eines Mikrofons über dem Eigenrauschen der Eingangsstufe liegt und damit das Gesamtrauschen dominiert. Deshalb ist der Wandler mit einer schaltbaren Phantomspeisung, einem Trittschallfilter und einer Phasenumkehrschaltung ausgestattet. Außerdem erlaubt der DSP hinter dem Wandler eine exakte digitale Verstärkung des anliegenden Signals um bis zu 70 dB, so dass selbst bei direktem Anschluss eines Mikrofons dessen Dynamik von ca. 125 dB erhalten bleibt und durch Anheben des digitalen Pegels bei 24 bit-Aufnahmesystemen keine Dynamik durch zu großen Headroom verschenkt werden muss. Da wir natürlich die Bedingungen für alle Kandidaten gleich gelassen haben, wurde der Stage Tec Wandler mit demselben Linepegelsignal des Millennia HV-3 Mikrofonvorverstärkers gespeist wie alle anderen Wandler auch. Die Bedienung sowie alle Anzeigen des Nexus-Systems und damit des von uns eingesetzten Wandlers erfolgen mittels einer Windows-Steuersoftware. Das uns zur Verfügung stehende Gerät war mit einer XMAD (4-Kanal AD), einer XDA (4-Kanal DA), sowie jeweils einer 4-fach AES/EBU in- und out-Karte ausgestattet.

Der Preis dieser 4-kanaligen und erweiterbaren Systemlösung liegt bei ca. DM 24.000,-. Von Stage Tec ist eine vierkanalige stand-alone Version des Wandlers mit Bedienelementen am Gerät angekündigt, die als eigenständiges, aber nicht erweiterbares Gerät zu einem deutlich geringeren Preis angeboten werden soll.

In Verbindung mit den zum Nexus gehörenden DSP-Karten und einem Cantus-Pult wird die volle Wortbreite von 28 bit zur Weiterverarbeitung genutzt.

Daniel Weiss ADC1

Der ADC1 von Daniel Weiss ist ein 20 bit-AD-Wandler aus der Gambit-Serie, der durch einen integrierten DSP den Einsatz eines Redithering auf 18 bit und 16 bit mit Hilfe eines Noise-Shaping zweiter Ordnung durchführen kann. Der ADC1 arbeitet intern mit vier Wandlerchips pro Kanal, deren Ausgangssignale zusammengerechnet werden. Der DSP bietet zusätzlich Funktionen wie z. B. Soft-Clipping und Crossfade-Funktionen. Außerdem kann der ADC1 optional mit einem integrierten Mikrofonvorverstärker ausgeliefert werden.

Aus Zeit- und Bewertungsgründen mussten wir nach zwei Testdurchgängen leider darauf verzichten, den ADC1 weiter zu verwenden, da die Dauer eines kompletten Testdurchganges dadurch zu groß wurde. Es zeigte sich in den zwei Testdurchgängen, dass der ADC1 auf ähnlichem Niveau liegt wie die anderen 48 kHz Wandler und daher keine starken Unterschiede zu erwarten waren. Der Preis des ADC1 beträgt sFR 5.600,-.

dCS 902 D und dCS 952

Die Wandler der Firma dCS sind als eigenständige AD-Wandler (dCS 902 D) und DA-Wandler (dCS 952) ausgeführt. Über das genaue Innenleben dieser Wandler ist leider nicht viel in Erfahrung zu bringen, da dCS genaue Auskünfte ablehnt. Aus den zum Wandler mitgelieferten Unterlagen ließ sich nur entnehmen, dass dCS mit einer proprietären 5 bit-Oversampling-Architektur ohne Gain-Ranging arbeitet, die mit Hilfe von DSP´s und FPGA´s realisiert ist. Der AD-Wandler hat ein sehr flexibles Noise-Shaping 1., 3. und 9. Ordnung integriert, mit dem man die Ausgangswortbreite auf 20 oder 16 bit reduzieren kann. Wir haben diese Wandler mit 96 kHz/24 bit sowie mit 44,1 kHz/16 bit-Noise Shaping 3. Ordnung in unseren Tests eingesetzt. Die 16 bit-Version sollte aufzeigen, ob ein hochqualitativ (24 Bit) gewandeltes, aber auf 16 bit reduziertes Signal signifikant von einem nicht reduzierten Signal zu unterscheiden ist. Der Dynamikumfang des dCS 902 D beträgt 108 dB, der des dCS 952 110 dB (unbewertet).

Nachteilig an dem DA-Wandler dCS 952 fiel die extrem lange Lockzeit für die Synchronisation auf ein anliegendes Signal auf.

Die dCS-Wandler sind optional mit einer Windows-Software (DM 300,- pro Wandler) steuerbar. Darin enthalten ist dann auch eine Aussteuerungsanzeige, die in dem ansonsten vorbildlich ausgestatteten Wandler (einziges Gerät mit SDIF- und optionalen Dual-AES/EBU-Schnittstellen) fehlt. Der Preis für die Wandler beträgt jeweils ca. DM 15.000,-, wodurch sich ein ADDA-Systempreis von ca. DM 30.000,- ergibt. Damit ist die dCS-ADDA-Wandlerkonfiguration mit Abstand das teuerste System unseres Tests. dCS bietet die Wandler neuerdings als 192 kHz-Version an (dCS 904, dCS 954).

SEK´D ADDA 2496 S

Im Gegensatz zu allen anderen Wandlern benötigt der ADDA 2496 S nur eine halbe 19”-Breite und eine Tiefe von ca. 15 cm. Dafür verfügt er leider nicht über eine komfortable Aussteurungsanzeige am Gerät, sondern besitzt nur eine Clip-LED pro Kanal. Mit anderen Geräten ist er nur über den AES/EBU-Eingang zu synchronisieren, da ein Wordclock-Eingang fehlt. Allerdings zeichnet sich der SEK´D-Wandler durch extrem kurze Lockzeiten (unter 0,1 s) für die Synchronisation anliegender Signale aus. Dafür kostet dieser 48/96 kHz/24 bit-Wandler nur DM 2.000,- und bietet damit ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der uns zur Verfügung stehende Wandler war ein sehr früher Prototyp, der die für das Serienmodel angegebenen 114 dB Dynamik für den AD-Wandler und 106 dB für den DA-Wandler (A-bewertet) noch nicht ganz erreicht hat. Dieses Problem soll aber in den Serienmodellen behoben sein.

Tascam DA-30 MKII

Der Tascam-DAT-Recorder DA-30 MKII gilt wegen seiner großen Verbreitung quasi als Studio-Standard. Deshalb haben wir uns entschieden, diesen DAT-Recorder für unsere Tests als Referenz-CD-Standard einzusetzen. Hierzu wurde der DA-30 MKII natürlich bei 44,1 kHz betrieben.


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