Alles (?) über Röhren

Allgemeines

ElektronenröhrenElektronenröhren, kurz Röhren genannt, waren die ersten aktiven elektronischen Bauelemente, d.h. Bauelemente, mit denen man kleine elektrische Signale verstärken konnte. Sie begründeten das Elektronikzeitalter, das sich in der Anfangsphase vor allem in Form von Radiogeräten manifestierte. Ein halbes Jahrhundert lang gab es keine Alternativen zu Elektronenröhren. Mit dem Aufkommen der Transistoren in den 50er/60er Jahren waren sie jedoch außer bei Spezialanwendungen (z.B. RADAR), bei denen Röhren schlicht billiger als Transistoren waren, vom Aussterben betroffen. Grund ist ihre große Bauform, die hohe Verlustleistung, die als Wärme abgeführt werden muß, ihre begrenzte Lebensdauer sowie ihr vergleichsweise extrem hoher Preis (Röhre mehr als 5 Euro, guter Kleinleistungstransistor weniger als 0,05 Euro!). Zudem verändern Röhren ihre Eigenschaften im Laufe der Lebensdauer und brauchen beim Einschalten des Geräts einige Minuten, bis sie richtig warmgelaufen sind. Aufgrund dieser Nachteile kamen im Niederfrequenzbereich ab ca. 1965 kaum noch neuentwickelte Geräte mit Röhren auf den Markt. Die logische Folge war, daß es seit 1970 in der westlichen Welt im kommerziellen Sektor auch keine Neuentwicklungen von Röhren mehr gab. Hiervon abweichend wurden vor allem in der ehemaligen Sovietunion noch sehr lange Röhren verwendet und auch entwickelt, schlicht weil man in der Halbleitertechnik arge Defizite hatte.

Eine kurze Renaissance erlebten die Röhren in der Militärtechnik dadurch, daß Röhren von Natur aus unempfindlich gegenüber EMP (= elektromagnetischer Puls, der bei Atombombendetonationen entsteht) sind. Seit man weiß, wie man Transistorschaltungen EMP-fest macht, ist aber auch das Geschichte. Lediglich in der Audiotechnik finden Röhren trotz oder gerade wegen ihrer aus heutiger Sicht vorsintflutlichen Technik noch Anhänger. Einerseits handelt es sich um HiFi-Liebhaber und andererseits um Musiker, vorzugsweise E-Gitarristen. Beide Gruppen haben ganz unterschiedliche Zielsetzungen: Die eine sucht den möglichst unverfälschten Klang, während die andere genau das Gegenteil tut, nämlich durch Übersteuern der Verstärker verzerrte Klänge zu erzeugen. In beiden Lagern werden zahlreiche Mythen erzählt, die leider oft nicht den Tatsachen entsprechen. Speziell aus diesem Grund finden Sie nachfolgend Informationen zu Aufbau und Funktionsweise von Röhren.

Funktionsweise einer Röhrendiode

Schon vor weit mehr als 100 Jahren erkannte man bei Versuchen mit den ersten Glühlampen, daß Elektronen die heiße Glühwendel verlassen. Dies führte zur Entwicklung der Röhrendiode im Jahre 1906. Diese besteht aus einem luftleeren Glaskolben, in dem sich eine Glühwendel und in einigem Abstand ein Blech befindet. Dies ist in Bild 1 schematisch dargestellt.



Bild 1: Prinzipieller Aufbau einer Röhrendiode

Bei ungeheizter Glühwendel kann man eine äußere Spannungsquelle in beliebiger Polung anschließen, ohne daß ein Stromfluß zustande kommt. Dies liegt darin begründet, daß Vakuum (also sprichwörtlich "Nichts") naturgemäß ein extrem guter Isolator ist. Erst bei extrem hoher Spannung kommt es zum Funkenüberschlag. Der Effekt der Röhrendiode liegt darin begründet, daß bei hoher Temperatur Elektronen die Glühwendel verlassen können, d.h. sozusagen aus dem Material geschleudert werden. Legt man von außen eine Spannung zwischen Auffangblech und Glühwendel an, hängt es von der Polung ab, was passiert. Hängt das Auffangblech am Pluspol, so werden die aus der Glühwendel emittierten Elektronen angezogen und es fließt ein Strom durch die Röhre. Bei umgekehrter Polung müßten die Elektronen aus dem Auffangblech austreten. Das können sie aber nicht, weil das Blech nicht beheizt ist. Deshalb leitet die Röhrendiode Strom nur in eine Richtung. Röhrendioden wurden vor allem zum Gleichrichten von Wechselstrom benutzt, bevor sie wegen der viel besseren elektrischen Eigenschaften (vor allem viel kleinerer Spannungsverlust und viel kleinerer Innenwiderstand) durch Halbleiterdioden verdrängt wurden.

Die Glühwendel wird übrigens in der Röhrenterminologie als Katode (oder Kathode) bezeichnet und das Auffangblech als Anode.

Funktionsweise einer Röhrentriode

Wenn man bei einer Röhrendiode zwischen Glühwendel und Auffangblech ein Drahtgeflecht, in der Röhrenterminologie Gitter genannt, einfügt, erhält man eine Röhrentriode, wie sie in Bild 2 dargestellt ist.



Bild 2: Prinzipieller Aufbau einer Röhrentriode

Sie funktioniert bei mit der Glühwendel leitend verbundenem und damit elektrisch gesehen neutralem Gitter genauso wie eine Röhrendiode. Bei offenem Anschluß lädt sich das Gitter übrigens aufgrund der von der Katode ausgesandten Elektronen negativ auf und behindert dann den Stromfluß zur Anode. Man nutzt die Triode aber nicht zum Gleichrichten von Wechselspannungen, sondern betreibt sie ausschließlich in Durchlaßrichtung, d.h. Pluspol an Anode, mit einer äußeren Betriebsspannung von üblicherweise einigen hundert Volt zwischen Katode (Glühwendel) und Anode (Auffangblech). Legt man nun an das Gitter eine im Vergleich zur Glühwendel negative Spannung an, wird mit zunehmend negativer werdender Spannung der Strom durch die Röhre immer kleiner, bis der Stromfluß aufhört. Denn genauso, wie Elektronen von einem positiven Potential (ungleiche Ladungen ziehen sich an) angezogen werden, werden sie von einem negativen Potential abgestoßen (gleiche Ladungen stoßen sich ab).

Hierfür genügen schon wenige Volt. Bei einer Röhrentriode kann man mit einer geringen Spannungsänderung am Gitter eine relativ große Stromänderung durch die Röhre bewirken. Die Röhrentriode wirkt daher als Verstärker. Sie war zusammen mit den nachfolgenden Röhrentypen vor der Erfindung der Transistor die einzige Möglichkeit der Signalverstärkung. Das Bauelement Elektronenröhre hat jedoch aus elektronischer Sicht gegenüber Transistoren noch nicht einmal einen einzigen Vorteil sondern ausschließlich die nachfolgend aufgelisteten Nachteile, weshalb es sehr schnell von Transistoren verdrängt wurde.

Lediglich als Gitarrenverstärker haben Röhrenverstärker eine gewisse Berechtigung, weil man hier die röhrentypischen Verzerrungen bis zum Exzeß ausnutzt, um den gewünschten verzerrten Klang zu erzeugen. Diese Verzerrungen kann man jedoch mindestens genauso gut auch mit wesentlich weniger Aufwand durch Verwendung von Halbleitern (Germaniumdioden, Feldeffekttransistoren etc. oder digital über beliebige definierbare Kennlinien) erzeugen, was in den USA schon lange praktiziert wird. Vor allem in Europa verwendet man, aus welchen Gründen auch immer, hierfür noch gerne Röhrenverstärker. Den Röhrenverstärker XY, den man sich vielleicht nicht leisten kann, kann man damit natürlich nicht 100% genau imitieren, aber ein Marshall klingt ja auch nicht genau wie ein Mesa Boogie, Soltano oder Vox. Weich begrenzende Schaltungen mit Halbleitern sollte man daher keineswegs als billige Röhrenersatzschaltung des Verstärkers XY sondern als Erweiterung der Klangpalette mit eigenständigem Klang ansehen.



Funktionsweise einer Röhrentetrode

Schon sehr früh erkannte man, daß eine Triode aus elektrischer Sicht alles andere als ideal war. Bei der seinerzeit häufigsten Anwendung der Röhren im Radio störte auf Hochfrequenzseite am meisten die Kapazität zwischen Gitter und Anode. Ein Kondensator ist ja nichts anderes als zwei Metallplatten, die sich in einem bestimmten Abstand zueinander befinden, was auch auf Gitter und Anodenblech zutrifft. Resultat ist, daß die Ausgangsspannung, die an der Anode zur Verfügung steht, bei hohen Frequenzen sehr stark auf das Gitter zurückgekoppelt wird. Denn hohe Frequenzen können Kondensatoren leicht passieren. Für Sendeanlagen entwickelte man daher spezielle Trioden, bei denen der Abstand zwischen Gitter und Anode sehr groß und damit die Kapazität sehr klein war. Durch den großen Abstand steigt aber leider auch der Betriebsspannungsbedarf sehr stark. Sendetrioden müssen daher meistens mit mehreren tausend Volt betrieben werden.


Eine andere Möglichkeit ist, die unerwünschte Kapazität durch ein zusätzliches Gitter G2, auch Schirmgitter genannt, zwischen dem Steuergitter und der Anode anzubringen. Röhren mit einem solchen Schirmgitter nennt man Tetroden, weil eine solche Röhre -von der Heizung abgesehen- 4 Anschlüsse besitzt: Katode, Gitter, Schirmgitter und Anode. Wenn man das Schirmgitter an eine relativ niederohmige Hilfsspannung legt, sinkt die Gitter-Anodenkapazität wie gewünscht stark ab, weil das Schirmgitter -der Name sagt es schon- das Steuergitter von der Anode elektrostatisch abschirmt. Tetroden wurden seit ihrer Entwicklung im Jahr 1916 oft als Senderöhren verwendet, der Einsatz in Radios etc. war jedoch selten. Aufgrund der besseren Eigenschaften verwendete man dort sehr oft die nachfolgend beschriebenen Pentoden.

Funktionsweise einer Röhrenpentode

Wenn Elektronen mit hoher Geschwindigkeit auf das Anodenblech auftreffen, ist die Wucht so groß, daß sie einige Elektronen aus dem Anodenmaterial herausschlagen können. Diese herausgeschlagenen Elektronen nennt man Sekundärelektronen. In Sekunddärvervielfacherröhren nutzt man dieses Effekt nutzbringend aus; bei allen anderen Röhren ist das Herausschlagen unerwünscht. Andere Elektronen schlagen derart hart auf die Anode auf, daß sie nicht in das Anodenmaterial eintreten können, sondern wie ein Fußball beim Lattenschuß daran abprallen. Sie schlagen hierbei ebenfalls Elektronen aus der Anode heraus, wobei sie den größten Teil ihrer Bewegungsenergie verlieren. Sie bilden zusammen mit den Sekundärelektronen eine Elektronenwolke um die Anode. Bei Trioden werden diese Elektronen dank ihrer negativen Ladung recht schnell wieder von der positiv geladenen Anode angezogen und stören daher nicht sonderlich stark. Sie behindern lediglich die von der Katode herkommenden Elektronen ein wenig, weil sich ja gleiche Ladungen abstoßen.

Bei Tetroden besitzt jedoch auch das Schirmgitter eine positive Spannung, so daß auch dieses die freien Elektronen anzieht. Bei hoher Aussteuerung der Röhre sinkt die Anodenspannung zeitweise unter die Spannung des Schirmgitters ab, weshalb in diesem Fall das Schirmgitter die Elektronen am stärksten anzieht und damit der Anodenstrom stark nachläßt. Dies bedeutet, daß ab einem bestimmten Punkt das Ausgangssignal verzerrt, weil nun ein Teil des Stroms über das Schirmgitter abfließt und damit nicht mehr als Anodenstrom zur Verfügung steht. Dies beschränkt die nutzbare Ausgangsspannung und damit die nutzbare Ausgangsleistung. Ziel ist es daher, die Sekundärelektronen vom Schirmgitter fernzuhalten. Genau dies ist der Zweck eines weiteren Gitters G3, dem Bremsgitter. Eine Tetrode mit einem zusätzlichen Bremsgitter nennt man Pentode, weil sie abgesehen von der Heizung 5 Anschlüsse besitzt. Sie ist wie folgt aufgebaut:

Bild 3: Prinzipieller Aufbau einer Röhrenpentode

Das Bremsgitter G3 wird mit der Katode verbunden. Es ist ziemlich grobmaschig, so daß die mit relativ hoher Geschwindigkeit von der Katode kommenden Elektronen kaum behindert werden. Für die Elektronenwolke um die Anode bildet es allerdings eine fast unüberwindliche Hürde, weil es im Vergleich zur Anode stark negatives Potential besitzt und damit die langsamen Elektronen ausreichend stark in Richtung Anode abstößt. Dadurch wird der Stromfluß über das Schirmgitter deutlich reduziert, so daß man Pentoden weiter aussteuern kann als Tetroden. Die 1926 entwickelte Pentode war daher insbesondere für Röhren in Endstufen weit verbreitet.

Heptoden, Oktoden usw.

Es gab noch eine ganze Reihe von Röhren mit noch mehr Gittern. Diese waren jedoch weitgehend speziellen Zwecken vorbehalten. Meistens handelte es sich um Mischröhren, bei denen z.B. 2 mehr oder weniger gleichberechtigte Steuergitter vorhanden waren. Hiermit kann man 2 Signale miteinander multiplizieren sprich modulieren. Jedes weitere Gitter fängt jedoch in gewissem Umfang nützliche Elektronen ein, weshalb man solche Röhren nur dann verwendete, wenn man die speziellen Eigenschaften nutzte. Für normale Verstärker war hingegen die Pentode aus elektrotechnischer Sicht das Optimum des Röhrenbaus.

Niedervoltröhren / Batterieröhren

Elektronenröhre ECC86Gegen Ende der Röhrenära in den 60er Jahren kamen tragbare Rundfunkempfänger und zunehmend auch Autoradios in Mode. Bei ersteren war der hohe Energiebedarf von Röhren sehr nachteilig und bei beiden Anwendungen der hohe Spannungsbedarf von üblicherweise mehreren hundert Volt. Beides waren ganz klare Vorteile für die damals aufkommenden Transistoren, weil die üblichen Zink-Kohle-Batterien pro Zelle nur etwa 1,5 V liefern und ein geringerer Stromverbrauch ein längerer Betrieb möglich macht. Zu dieser Zeit gab es zum Einsatz in Autoradios noch keine brauchbaren UKW-Transistoren, so daß man hier noch für einige Jahre auf Röhren angewiesen war. Flugs wurden speziell für diesen Zweck Niedervoltröhren entwickelt, die nicht nur mit einer kleineren Anodenspannung betrieben werden konnten, sondern deren Heizspannung an die Batteriespannung angepaßt war. Im Jargon werden sie häufig Batterieröhren genannt.

Viele Niedervoltröhren waren je nach Typ für 90, 60 oder 45 Volt Anodenspannung ausgelegt. Eigens hergestellte Batterien, die viele Zellen in einem Gehäuse vereinten, machten den für den Anwender problemlosen Betrieb von portablen Rundfunkempfängern möglich. Diese Röhren sind ideal, wenn hohe Spannungen unerwünscht sind. Durch kleinere Abmessungen sank auch der Heizleistungsbedarf. Einige Röhren waren für 22,5 bzw. 12 Volt ausgelegt, ganz wenige wie die ECC86 (eine "Autoröhre") sogar für sagenhafte 6,3 Volt

Anodenspannung, der Bordnetzspannung z.B. eines damaligen VW Käfers. Bei Niedervoltbastlern, die die lebensgefährliche Hochspannung konventioneller Röhren scheuen, aber trotzdem aus bestimmten Gründen Röhren einsetzen möchten, sind Niederspannungsröhren heute hochbegehrt. Der Anodenstrom ist hierbei selbstverständlich gering, so daß man mit ihnen keine Leistungsverstärker mit hoher Ausgangsleistung bauen kann.

Spezialröhren

Wenn man von Röhren absieht, die zwar auch als Röhren bezeichnet werden, aber ganz anders funktionieren als Verstärkerröhren wie z.B. Röntgenröhren, Wanderfeldröhren, Klystrons oder Magnetrons (letztere dienen der Mikrowellenerzeugung), gibt es auch unter den Verstärkerröhren spezielle Ausführungen. Hierzu gehören die Miniaturröhren, die sich vor allem in der ehemaligen Sowietunion und dort besonders in der Rüstungstechnik bis zuletzt großer Beliebtheit erfreuten. Außer dem reduzierten Platzbedarf benötigen sie im Vergleich zu normalgroßen Röhren weniger Heizleistung und geben sich mit einer geringeren Versorgungsspannung zufrieden. Es handelt sich aus einleuchtenden Gründen nicht um Leistungsröhren.

Elektrometerröhren unterscheiden sich von normalen Verstärkerröhren durch zwei Dinge: erstens ist das Gitter meistens aus dem Röhrenkopf herausgeführt und zweitens sind die Röhren oft mit einer speziellen Beschichtung versehen. Sie sind auf möglichst geringe Gitterströme hin entwickelt, damit sich auch bei extrem hochohmigen Signalquellen keine Verfälschung des Meßsignals einstellt. Um diese geringen Gitterströme nicht durch parasitäre Widerstände (Kriechströme) hochzutreiben, führt man den Gitteranschluß möglichst weit von allen anderen Anschlüssen aus der Röhre heraus, d.h. an der gegenüberliegenden Seite sprich dem Kopf der Röhre. Bei hoher Luftfeuchte würde schon eine extrem gering benetzte Glasoberfläche zu einem stark verringerten Isolationswiderstand führen. Aus diesem Grund sind solche Röhren oft zusätzlich mit einer hydrophoben (=wasserabweisenden) Oberfläche versehen, die zusätzlich verhindert, daß Licht in die Röhre eindringen kann. Photonen können durch das Herausschlagen von Elektronen für einen zusätzlichen und in diesem Fall absolut unerwünschten Stromfluß sorgen (Wirkung wie Fotozelle). Trotz aller Maßnahmen wird der Eingangswiderstand von Elektrometerröhren von CMOS-Operationsverstärkern leicht um den Faktor 100 oder mehr übertroffen.

Senderöhre GU29 (Doppeltetrode)Sogenannte Senderöhren unterscheiden sich oft sowohl in Form als auch Bauweise deutlich von den wohlbekannten Verstärkerröhren. Sendetrioden besitzen größere Abstände zwischen Katode und Anode, weshalb Betriebsspannungen im Kilovoltbereich notwendig sind. Um die hohe Verlustleistung abzuführen, besitzen sie oft ein Keramik- anstatt eines Glasgehäuses, das zudem mit einem fest installierten Kühlkörper versehen ist. Sendetetroden wiederum wurden nicht selten als Doppelsysteme, d.h. mit zwei Systemen in einem Gehäuse, hergestellt. Bei diesen sind oft die beiden Anodenanschlüsse aus dem Röhrenkopf herausgeführt. Diese recht großen und breiten Röhren sind optisch recht ansprechend, weshalb man Sendedoppeltetroden auch gern in teuren HiFi-Röhrenverstärkern der fünfstelligen Euro-Klasse einsetzt. Allerdings sind Tetroden hierfür aus elektrischer Sicht aufgrund des eingeschränkten Aussteuerbereichs deutlich weniger gut geeignet als Pentoden.

Heizungsarten

Die einfachste und gleichzeitig effektivste Form der Heizung ist ein nackter Glühdraht, wobei einer der beiden Heizanschlüsse gleichzeitig die Katode ist. Zur Erhöhung der Emission ist der Glühdraht mit einem Material beschichtet, das besonders leicht Elektronen emittiert. Üblicherweise verwendet man hierfür Oxide von Erdalkalimetallen. Dem Vorteil des hohen Wirkungsgrades steht der große Nachteil entgegen, daß bei der üblichen Wechselstromheizung die Temperatur der Heizwendel im Takte des Wechselstroms leicht schwankt und mit ihr die Emission. Gleichzeitig schwankt die Spannung zwischen Katode und Glühwendel um den Betrag der Heizspannung. Denn zwischen dem Heizungsanschluß 1 (gleichzeitig Katodenanschluß) und dem Heizungsanschluß 2 gibt es eine Spannungsdifferenz, die der Höhe der Heizspannung entspricht. Als Folge schwankt auch die Anodenspannung und damit der Anodenstrom, was sich als profanes Brummen bemerkbar macht. Bei Pentoden ist dieser Effekt aufgrund der fast "waagerechten" Kennlinien gering, bei Trioden aufgrund der starken Abhängigkeit des Anodenstroms von der Anodenspannung jedoch stark ausgeprägt.



Bild 4: Direkte und indirekte Heizung

Dieses Brummen kann man verringern, wenn die Katode als metallisches Röhrchen ausgeführt wird, der von innen ohne direkte Berührung von einer Glühwendel beheizt wird, weshalb man diese Art der Heizung indirekte Heizung nennt. Dadurch, daß die Katode sprich das Röhrchen vom Heizstrom entkoppelt ist, entfällt die geringe Spannungsschwankung zwischen Katode und Anode, die insbesondere bei Trioden aufgrund deren besonderen Kennlinien stark stört. Gleichzeitig ist die Wärmekapazität des gesamten Gebildes so hoch, daß sich die Temperaturschwankungen nicht nennenswert bemerkbar machen. Nur leider sinkt der Wirkungsgrad ein wenig, weil durch die größere Oberfläche auch mehr Wärme abgestrahlt wird. Bei direkter Heizung braucht man hingegen für jede Röhre eine eigene Wicklung auf dem Heiztrafo, wenn die Katoden nicht direkt sondern über je einen Katodenwiderstand mit Masse verbunden sind. Aufgrund der großen Vorteile hatte sich daher die indirekte Heizung bei "normalen" Röhren weitgehend durchgesetzt. Die direkte Heizung war vorzugsweise bei Spezialröhren, bei denen es vor allem auf geringen Bauraum (Miniaturröhren) oder eine geringe Heizleistung (Batterieröhren) ankommt, zu finden.

Realer Aufbau und Herstellung

Das Schaltzeichen könnte den Eindruck erwecken, daß bei einer Röhre sich unten in der Nähe der Kontaktstifte die beheizte Katode befindet, oben am Röhrenkopf die Anode und irgendwo dazwischen ggf. die Gitter. Das ist bei den allermeisten Röhren nicht der Fall. Vielmehr besteht die Katode aus einer langen, geraden Glühwendel, die fast immer vertikal angeordnet ist. Axial darum sind die Gitter und ganz außen die Anode angeordnet, wie in Bild 5 dargestellt. Haltedrähte usw. wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit weggelassen.



Bild 5: Realer Aufbau einer Röhrentriode

Um die Glühwendel ist in einem kleinen Abstand spiralförmig ein dünner Draht herumgewickelt, der das Gitter bildet. Der Abstand der einzelnen Windungen zueinander, also sozusagen die Maschenweite, bestimmt mit vielen weiteren Einflußfaktoren die Kennlinie. Es ist nur eine Seite der Gitterspirale nach außen geführt, weil das Gitter lediglich durch Vorhandensein einer Steuerspannung den Elektronenfluß elektrostatisch beeinflußt. Ein Stromfluß durch die Gitterspirale hindurch ist dazu nicht erforderlich und erst recht nicht erwünscht. Das Gitter wiederum ist in kleinem Abstand vom Anodenblech umgeben. Da die Anode laufend von Elektronen bombardiert wird, die ihre Bewegungsenergie an diese abgeben, wird diese heiß - so heiß, daß es bei Endstufenröhren zur leichten Rotglut kommen kann. Um die Wärme besser abstrahlen zu können, ist das Anodenblech bei Leistungsröhren meistens aus gefaltetem Blech hergestellt, um eine große Oberfläche zu erreichen. Das Gitter ist um zwei Haltedrähte gewickelt, denen als Halterung (wie auch der Katode und der Anode) oben und unten je ein Plättchen aus einem nichtleitenden und hitzebeständigen Material, meist Glimmer, dient. Das gesamte Gebilde wird von einem Glaskolben umgeben. Es gibt auch Röhren, bei denen der empfindliche Glaskolben von einer Metallhülle umgeben ist, wodurch man einerseits eine etwas höhere mechanische Robustheit und andererseits eine gute Abschirmung gegenüber äußeren Feldern erreicht. Die von Telefunken seinerzeit entwickelten Stahlröhren, bei denen der Kolben aus Stahl statt aus Glas bestand, hatten sich jedoch am Markt nie durchgesetzt.



Bild 6: Reale Röhre am Beispiel der PL802
(Pentode, aber nur 1 Gitter gut sichtbar)

In der Mikroskopaufnahme der Miniaturpentode DF67 (siehe Bild 7) sind die einzelnen Gitter besser sichtbar als bei der oben gezeigten PL802. Da es sich um eine direkt geheizte Röhre handelt, wird die Katode durch einen nackten Heizfaden gebildet, der im Bild senkrecht angeordnet ist. Konzentgrisch um ihn angeordnet ist in möglichst engem Abstand das Steuergitter angeordnet. In ebenfalls recht geringem Abstand folgt das Schirmgitter und kurz vor der Anode das eher grobmaschige Bremsgitter. Wie klein dies alles in Wirklichkeit ist, können Sie in Bild 8 im Größenvergleich der DF67 mit einer Noval-Röhre (im Beispiel eine PCC189) erkennen.



Bild 7: Gitteranordnung am Beispiel der DF67 (Miniaturpentode)
Bild 8: Miniaturröhre DF67 im Größenvergleich zu Noval-Röhre

Das Innere des Glaskolbens wird bei der Herstellung in einem der letzten Arbeitsschritte luftleer gepumpt und der Glaskolben dabei nach außen hin hermetisch dicht zugeschmolzen. Das Evakuieren hat den Zweck, daß die Elektronen später auf dem Weg zur Anode nicht mit Stickstoff- oder Sauerstoffmolekülen kollidieren sollen, was die Funktion sehr stark beeinträchtigen würde. Denn dadurch würde das noch vorhandene Restgas ionisiert und in einer Glimmentladung Licht aussenden. Die Röhre würde als  Gasentladungslampe mit beheizter Elektrode wirken und hätte eine sehr nichtlineare Kennlinie. Außerdem würde das Innere der Röhre wegen der hohen Temperaturen sehr schnell durch den Luftsauerstoff oxidieren und damit unbrauchbar werden. Nach dem Evakuieren der Röhre befindet sich aber trotz Verwendung von Hochleistungsvakuumpumpen immer noch eine geringe Restmenge an Sauerstoff in der Röhre, der unschädlich gemacht werden muß. Zu diesem Zweck befindet sich im Kopf der Röhre eine mit einem leicht oxidierbaren Metall (meist Barium) gefüllte sogenannte Getterpfanne. Nach dem Evakuieren und Zuschmelzen des Glaskolbens wird die Röhre induktiv erhitzt, wodurch das Gettermaterial verdampft und sich vorzugsweise im oberen Teil der Röhre als silbrig glänzender oder dunkler Belag niederschlägt. Gleichzeitig wird ein Teil des Gettermaterials durch den Restsauerstoff oxidiert, wodurch dieser gebunden und damit unschädlich gemacht wird. Die Farbe des Niederschlags sagt übrigens entgegen landläufiger Meinung ("silbrig ist gut, schwarz ist schlecht") überhaupt nichts über den Zustand der Röhre aus.

Verwendung in der Elektronik

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Röhren, da es nichts Anderes gab, weit verbreitet. Heute findet man sie nur noch in bestimmten Hochfrequenzbereichen, in denen sie Kostenvorteile gegenüber Halbleitern bieten (RADAR, Sendeanlagen mit extrem hoher Ausgangsleistung etc.), oder bei Gitarrenverstärkern und in extrem geringem Maße als HiFi-Verstärker. Im Niederfrequenzbereich ist das Ende der Röhren bereits abzusehen, weil die allermeisten Röhrentypen schon lange nicht mehr hergestellt werden und die Preise für häufig nachgefragte Röhren bekannter Markenhersteller wie z.B. Telefunken, Valvo und Siemens langsam ins Astronomische wachsen. Beispiel: Die bekannte NF-Pentode EF86 wurde noch Anfang der 90er Jahre wie saures Bier für weit unter 5 DM angeboten, Stand 2002 muß man hingegen froh sein, wenn sie einem für 15 Euro verkauft wird. Bei der Wald-und-Wiesen-Doppeltriode ECC83 ist die Preisentwicklung ähnlich dramatisch. Man kennzeichnet alte Markenröhren übrigens gern mit dem Kürzel NOS, wenn sie ungebraucht sind (= New Old Stock = Ungebraucht aus alter Produktion). Mitunter werden derart astronomische Preise gefordert und auch bezahlt, daß man über die Dummheit der Käufer nur schmunzeln kann, wie z.B. bei zwei ECC83, die für sage und schreibe 150 Euro, nur weil diese Exemplare Goldpins hatten, über eBay den Besitzer wechselten oder zwei ECC803s, die für traumhafte 281 Euro ersteigert wurden.

Mittlerweile werden aufgrund der guten Verdienstspannen häufig nachgefragte Röhrentypen wie ECC83, EL84 und EL34 vor allem von Herstellern im ehemaligen Ostblock wieder gefertigt. Von einigen wenigen westlichen Firmen gibt es solche Röhren ebenfalls, aber aus absolut nicht nachvollziehbaren Gründen zu noch deutlich höheren Preisen als NOS-Röhren. Der Verdacht liegt ohnehin nahe, daß diese Firmen nicht selbst fertigen, sondern nur vorgenannte neue Röhren mit einem eigenen Aufdruck versehen. Wer neue Röhrenschaltungen aufbauen möchte, ist daher gut beraten, auf wenig nachgefragte und daher erheblich  preiswertere Röhrentypen auszuweichen. Diese sind zwar oft elektrisch nicht direkt kompatibel, können bei einer abgeänderten Dimensionierung der Schaltung aber meistens verwendet werden. Ein Geheimtip sind  russische Röhren, die nicht mit einem westlichen Pendant pinkompatibel sind, also nicht als 1:1-Ersatz verwendet werden können und daher für das Ersatzgeschäft wertlos sind. Sie sind meistens von sehr guter Qualität, denn in der Sowietunion ging die Röhrenentwicklung noch sehr viele Jahre weiter, als der Westen schon längst auf Halbleiter umgeschwenkt hatte. Wegen der geringen Nachfrage sind/waren sie oft extrem preiswert. Sie wurden teilweise regelrecht verramscht. Dies hatten auch sogenannte High-End-Hersteller erkannt und bauten HiFi-Verstärker mit russischen Senderöhren, was aus technischer Sicht aufgrund der extrem hohen Betriebsspannung eigentlich totaler Schwachsinn ist, zumal für diese Verstärker unverständlicherweise 5-stellige Euro-Beträge verlangt werden. Da nach landläufiger Meinung Röhren, die High-Ender verwenden, qualitativ und klanglich extrem hochwertig sein müssen, stiegen für diese Typen natürlich die Preise stark an.

Röhrentypen

Die Nomenklatur von Röhren ist leider nicht einheitlich, d.h. es gibt kein allgemein gültiges System der Namensgebung. Vielmehr gibt es für einigermaßen moderne Röhren (d.h. nach dem 2. Weltkrieg) ein europäisches, ein amerikanisches und ein russisches System. Hinzu kommt die uneinheitliche Namensgebung nostalgischer Röhren, auf die hier jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.


Nachfolgend und in den untergeordneten Dokumenten erfahren Sie, wie Sie aus der Typenbezeichnung die wichtigsten Eigenschaften ablesen können, welche Röhren für  Niederspannungsanwendungen geeignet sind, welche Vorteile  russische Röhre haben und was Sie tun können, wenn Sie die oft verlangten Mondpreise von Moderöhren nicht bezahlen wollen, sondern auf der Suche nach  preiswerten Röhre sind.



Nomenklatur

Wenn Sie für einen vorhandenen Röhrenverstärker lediglich Ersatzröhren benötigen, müssen Sie sich mit den verschiedenen Nomenklaturen nicht herumschlagen, denn es reicht in diesem Fall, Röhren mit der gleichen Bezeichnung zu kaufen. Wenn Sie sich jedoch weitergehend für Röhren interessieren oder gar selbst Röhrenschaltungen aufbauen wollen, werden Sie wissen wollen, was sich hinter den vielen Typenbezeichnungen verbirgt. Nachfolgend ist daher aufgelistet, wie das europäische, amerikanische und russische System aufgebaut ist.



Europäisches System

Das europäische System, das auf dem ca. 1934 eingeführten deutschen System basiert, charakterisiert Röhren durch eine Kodierung, der den Röhrentyp charakterisiert und eine Typennummer. Die Typenbezeichnung setzt sich zusammen aus:


Heizungsart - Röhrentyp 1 - Röhrentyp 2 - Typennummer


Beispiel: ECC83


Heizungsart

Die Heizungsart wird durch einen Buchstaben beschrieben, der folgende Bedeutung besitzt:


Heizungsart   Bedeutung
A 4 V Wechselstrom
B indirekte 160-mA-Heizung
C indirekte 200-mA-Heizung
D Batterieheizung (0,625 V, 1,25 V oder 1,4 V)
E indirekte 6,3-V-Heizung
F indirekte 13-V-Heizung
G 5-V-Heizung
H 4-V- (direkt) oder 150-mA-Heizung (indirekt)
K direkte 2-V-Heizung
M 1,9-2,8-V-Heizung
O ohne Heizung (Kaltkatodenröhre oder Halbleiter)
P indirekte 300-mA-Heizung
U indirekte 100-mA-Heizung
V indirekte 50-mA-Heizung
X indirekte 600-mA-Heizung

Röhrentyp 1 und 2

Der Röhrentyp wird durch einen weiteren Buchstaben charakterisiert. Wenn ein zweites Röhrensystem in einer einzigen physikalischen Röhre untergebracht wird, folgt ein weiterer Buchstabe, der die gleiche Bedeutung hat und das zweite Röhrensystem charakterisiert:

Röhrentyp   Bedeutung
A Diode
B Doppeldiode
C Triode
D Leistungstriode
E Tetrode
F Pentode
H Heptode
K Oktode
L Leistungspentode oder -tetrode
M Abstimmanzeige ("Magisches Auge")
Q Nonode, Enneode
W Gasgefüllte Gleichrichterröhre
X Gasgefüllte Doppelgleichrichterröhre
Y Gleichrichterröhre
Z Doppelgleichrichterröhre

Typenbezeichnung

In der Typenbezeichnung versteckt ist die Bauform bzw. die Sockelart. Es gilt folgende Zuordnung:


Röhrentyp   Bedeutung
1 - 9 Quetschfußröhren mit Stift- oder Außenkontaktsockel
11 - 19 Stahlröhren mit Stahlröhrensockel
30 - 39 Quetschfußröhren mit Oktalsockel oder Preßtellerröhren mit Loktalsockel
40 - 49 Preßglasröhren mit Rimlocksockel
50 - 60 Spezialröhren mit verschiedenen Sockeln
61 - 69 Subminiaturröhren mit langen Anschlußdrähten
80 - 89 Miniaturröhren mit Novalsockel
90 - 99 Miniaturröhren mit Pico-7-Sockel

Anmerkung:

  1. Röhren mit einer dreistelligen Typenbezeichnung und 1 oder 2 als erster Ziffer sind Varianten mit speziellen Eigenschaften von Röhren ohne diese erste Ziffer. Beispiel: Die EF183 ist eine spezielle Variante der EF83
  2. Bei manchen Röhren (z.B. E83CC) sind die Typenbezeichnung und die Kodierung für den Röhrentyp vertauscht angegeben. Auch hier handelt es sich um spezielle Varianten der Standardtypen (im Beispiel also ECC83), z.B. mit langer Lebensdauer oder für den Einsatz unter hoher Schwingungsbelastung.
  3. In einigen Fällen wird die Typenbezeichnung durch eine Null in der Mitte erweitert (z.B. ECC803). Auch hier handelt es sich oft, aber leider nicht immer, um spezielle Varianten der Standardtypen (im Beispiel also ECC83). Eine PCF802 ist beispielsweise definitiv eine andere Röhre als eine PCF82.
  4. Die Kodierung für den Röhrentyp kann auch 3 Buchstaben enthalten. Dies war aber nur bei ganz wenigen Röhren der Fall, z.B. bei der EABC80 und der ECLL800.

Russisches System

Russische Empfängerröhren, die seit 1959 hergestellt wurden, sind nach dem folgendem System numeriert. Wenn übrigens die kyrillischen Zeichen nicht korrekt dargestellt werden, liegt das daran, daß es in HTML leider keine universelle Sprachenunterstützung gibt, die mit jedem Browser und jedem Betriebssystem funktioniert. In diesem Fall orientieren Sie sich bitte an der lateinischen Bezeichnung. Die Typenbezeichnung setzt sich zusammen aus:


Heizspannung - Röhrentyp - Typennummer - Röhrenform/Sockel - Suffix


Beispiel: 1Ж29Б-EB (lateinisch: 1SH29B-EW)



Heizspannung

Als Heizspannung wird der Integerwert der Heizspannung (also ohne Nachkommastellen) angegeben, im Beispiel also 1 V. Den genauen Wert muß man dem Datenblatt entnehmen, wobei es im Beispiel genau 1,2 V sind.


Röhrentyp

Durch einen kyrillischen Buchstaben wird grob angegeben, welche Funktion die Röhre hat. Es gilt folgende Zuordnung:


Kyrillisch Lateinisch Röhrentyp
Б B Diode + Pentode
Г G Diode + Triode
Е E Anzeigeröhre
Ж SH Pentode (sharp cutoff)
И I Triode + Heptode
Н N Doppel-Triode
Р R Doppel-Tetrode
П P Audiopentode oder -tetrode
С S Triode
Ф F Triode + Pentode
Х H Doppel-Signaldiode
Ц Z Gleichrichterröhre

Anmerkung: Viele Händler übersetzen Ж mit SH statt korrekt mit J.

Typennummer

Die Typennummer ist eine ein- oder zweistellige Nummer und unterliegt keinem System. Vielmehr wurden die Röhren einer Bauart einfach fortlaufend numeriert.


Röhrenform/Sockel

Für die Röhrenform bzw. den Sockel gilt folgende Zuordnung:


Kyrillisch Lateinisch Röhrenform/Sockel
А A Subminiaturröhre, Durchmesser 6-8 mm
Б B Subminiaturröhre, Durchmesser 10,2 mm
Д D Preßtellerröhre
Ж SH "Glass Acorn" (an beiden Enden spitze Röhre)
К K Keramik
Л L Metallummantelt mit Haltevorrichtung
П P Glas, Durchmesser 19-22,5 mm, Pico-7- oder Novalfassung
Р R Subminiaturröhre, Durchmesser 5 mm
С S Glas, Durchmesser > 22,5 mm
(ohne) Metallröhre, Oktalfassung



Suffix

Über den Suffix werden besondere Eigenschaften der Röhre angegeben. Bei ganz normalen Röhren mit Standardeigenschaften fehlt er. Bis ungefähr 1976 galt folgende Zuordnung:

Kyrillisch Lateinisch Bedeutung
ЕР ER Hohe Lebensdauer
ВР WR Hohe Zuverlässigkeit
ДР DR Extrem lange Lebensdauer


Seit ungefähr 1976 gilt folgende Zuordnung:

Kyrillisch Lateinisch Bedeutung
В W Für hohe Schwingungsbelastung
Е E Hohe Lebensdauer
К K Für Stroßströme geeignet
Д D Sehr hohe Lebensdauer
ЕВ EW Hohe Lebensdauer, für hohe Schwingungsbelastung


Im Beispiel (d.h. 1Ж29Б-EB bzw. lateinisch: 1SH29B-EW) handelt es sich gemäß Typenbezeichnung also um eine Subminiaturpentode mit 10,2 mm Durchmesser und einer Heizspannung von 1 Volt (oder etwas mehr), die eine hohe Lebensdauer besitzt und für eine hohe Schwingungsbelastung ausgelegt ist.


Leider geht es bei der ins lateinische Alphabet übersetzten Bezeichnung Kraut und Rüben durcheinander: Oft wird z.B. das kyrillische Ж als SH übersetzt, was noch zu verschmerzen ist, weil es dadurch nicht zu Doppeldeutigkeiten kommt. Oft werden zwar H und P (wie alle anderen kyrillischen Zeichen) korrekt als N und R übersetzt, manchmal aber einfach 1:1 als H und P übernommen. Leider sieht man auf den ersten Blick nicht, ob der Händler diese Zeichen übersetzt hat oder nicht, so daß man nur mutmaßen kann, was sich hinter einer angebotenen 6H1P wirklich verbirgt. Es könnte

  1. eine Doppeltriode als Subminiaturröhre mit 5 mm Durchmesser (d.h. originale kyrillische Bezeichnung),
  2. eine Doppeltriode mit Pico-7- oder Novalsockel (dann wurde nur das im lateinischen Alphabet nicht vorkommende П als P übersetzt) oder
  3. eine Doppeldiode mit Pico-7- oder Novalsockel (korrekt übersetzt)

sein. Bei Unsicherheiten sollte man daher nach der originalen kyrillischen Bezeichnung fragen.

Zusammenfassung

Röhrendioden bestehen aus einem luftleer gepumpten Glaskolben, in dem sich außer einer Glühwendel (Katode) ein Auffangblech (Anode) befindet. Aus der heißen Glühwendel können Elektronen austreten, die sich bei äußerer Spannung (Anode positiver als Katode) zur Anode bewegen, so daß ein Stromfluß zustande kommt. Bei umgekehrter Polung fließt kein Strom, weil aus der ungeheizten Anode auch bei hoher Spannung keine Elektronen emittiert werden können.

Bei einer Röhrentriode befindet sich zwischen Katode und Anode eine Drahtwendel, das sogenannte Gitter. Durch Anlegen einer kleinen negativen Spannung an das Gitter kann man den Stromfluß durch die Röhre steuern. Dadurch kann man eine Triode als Verstärkerelement benutzen. Durch zusätzliche Gitter kann man bestimmte elektrische Eigenschaften verbessern, was bei Tetroden und Pentoden praktiziert wird. Aufgrund der zahlreichen Nachteile wurden Röhren fast vollständig von Transistoren abgelöst.

Datenblätter

Some data sheets contains useage examples of the vacuum tubes for NF-amplifiers.

type examples download
EL12N no
EL12N no
EL12N no
8086 no
E83CC yes
EF86 yes
EL34 yes
EL34 no
EL84 yes
EL84 no
EL156 yes
ECC81 no
ECC82 no
ECC82 no
ECC83 yes
ECC83 no
6AS7G no

Literatur

L Beschreibung von Seiten download
Verstärkerröhren
book 3 chapter 1
Einführung in die Röhrentechnologie inklusive Verstärkerbau. Downloaden, lesen und geniessen.
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Prüfen und Messen
book 3 chapter 2
Prüfen und messen von Bauteilen und Schaltungen.
Kann als kleine Reparaturhilfe nützlich sein.
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Röhrenvergleichslisten
book 3 chapter 3
Amerika-Telefunken und amerikanische Sockelschaltungen.
Kann hilfreich sein.
1942 5
Röhren
book 4
Hinweise und Erläuterungen zum Thema Röhrentechnik.
Nicht sehr ausführlich, trotzdem interessant.
???? 13
Elektronenröhren
book 5
Alles über Dioden und Trioden:Kennwerte, Kennlinien, Heizung, usw. mit Aufgaben und deren Lösungen.
Downloaden und lesen ist Pflicht!
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Mehrgitterröhren
book 5
Alles über Tetroden, Pentoden, Hexoden, Septoden, Oktoden inkl. Kennzeichnung mit Aufgaben und deren Lösungen.
Downloaden und lesen ist Pflicht!
1966 9
Röhrenverzerrungen
book 5
Theorie über den Klirrfaktor bei Röhren mit Aufgaben und deren Lösungen.
Downloaden und lesen ist Pflicht!
1966 7
Röhrenverstärker
book 5
Überblick über Verstärker, Erzeugung der Gittervorspannung und Unterdrückung von Störspannungen mit Aufgaben und deren Lösungen.
Downloaden und lesen ist Pflicht!
1966 15
Niederfrequenzverstärker
book 5
Alles über Niederfrequenzverstärker: RC-Kopplung, Übertrager, A-, B-, und C-Betrieb, Gegenkopplung, Mitkopplung, Lautsprecheranschluss, usw. mit Aufgaben und deren Lösungen.
Downloaden und lesen ist Pflicht!
1966 58
Röhrenbeschaltung
book 5
Katodenbasis-, Gitterbasis- und Anodenbasisschaltungen
Nur der Vollständigkeit wegen, aber bildet Euch selber ein Urteil!
1966 8
Breitbandverstärker
book 5
Verstärker für Frequenzen von 0Hz bis einige MHz.
Auch hier gilt: Bildet Euch selber ein Urteil!
1966 4
Gleichspannungsverstärker
book 5
Verstärker mit Röhren für DC.
Downloaden und lesen ist wieder Pflicht!
1966 7
Laborbuch
book 7
Röhrentechnologie inkl. NF-Verstärker kurz zusammengefasst. Mit Rechnungsbeispielen.
Nicht sehr ausführlich, aber informativ!
1961 31
Elektronenröhren
book 8
Alles über Röhren inkl. Verstärkerbau, Wirkungsweise, NF-Verstärker und magische Augen.
Downloaden und lesen ist wieder Pflicht!
1960 51
Röhrentechnik
book 10
Kurze Zusammenfassung der Röhrentechnologie.
Sehr leicht lesbar, aber etwas zu kurz gehalten.
1979 20
Anwendung der Elektronenröhre
book 11
NF-Verstärkung:Verstärkertypen, Umkehrstufen, Frequenzkennlinien, NF-Trafo, Tonregler, nichtlin. Verzerrungen.
Gut lesbar und sehr ausführlich. Pflichtlektüre!
1950 43
Endstufen
book 11
Einleitung in den Endstufenbau, Class A Endstufen mit Trioden und Pentoden.
Pflichtlektüre!
1950 16
Gegentaktendstufe
book 11
Alles über Class B Endstufen.
Pflichtlektüre!
1950 23
Klasse AB-Endstufen
book 11
Alles über Class AB Endstufen.
Pflichtlektüre!
1950 25
Endverstärkerklassen und Doppeltonmethode
book 11
Vergleich der Endverstärkung von Trioden und Pentoden, Betrachtung der Endstufe bei Ansteuerung mit Musik und Sprache.
Pflichtlektüre!
1950 8
Verzerrung bei Endstufen
book 11
Entstehung, Berechnung und Messung von Verzerrungen bei Endstufen.
Pflichtlektüre!
1950 33
Komplexe Belastung und Abweichung von den normalen Röhreneinstellungen
book 11
Verhalten der Endstufe bei komplexer Belastung, Benutzung der Röhre bei nicht vom Hersteller empfohlener Einstellung und Ueberlasterscheinungen.
Pflichtlektüre!
1950 18
Elektronenröhren
book 15
Ausführliche Beschreibung von unterschiedlichen Röhrenarten. Diode, Triode, Thyratron, Ignitron, Relaisröhre und mehr.
Unbedingt mal reinschauen!
1966 30
Verstärker
book 15
Kurze Einführung in den Verstärkerbau.
Nicht sehr ausführlich, das Grundsätzliche halt.
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Basics of vacuum tubes.
book 1 chapter 5
Short introduction how vacuum tubes are working including some schematics of vacuum tubes circuits.
Cool stuff and easy to read.
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All about rectifiers and filters.
Cool stuff and easy to read.
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Amplifiers with vacuum tubes.
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How to design amplifiers with vacuum tubes and transistors including some examples.
Cool stuff and easy to read.
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book 1 chapter 8
Feedback in transistors and vacuum tube amplifiers including some examples of amplifiers, power supplies and more.
Cool stuff and easy to read.
1966 19
Plate characteristics.
book 1 appendix
Plate characteristics of tubes 6AU6, 6L6, 6SF7, 12AU7,12AX7 wich are described in book 1.
1966 3
Basic amplifier principles.
book 2 chapter 3
Design of amplifiers with vacuum tubes.
Very technical.
1950 11
Untuned potential amplifiers.
book 2 chapter 4
Design of amplifiers, how to achieve higher gain in vacuum tube amplifiers.
Very technical.
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Feedback in amplifiers.
book 2 chapter 5
Principles of feedback, how to calculate feedback in vacuum tube amplifiers.
Very technical.
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Rectifiers.
book 2 chapter 6
All about rectifiers including ignitrons and thyratrons.
Very technical.
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Power supplies with vacuum tubes.
book 2 chapter 7
Introduction in desinging of power supplies with calculated examples.
Cool stuff but very technical.
1950 14
Untuned power amplifiers.
book 2 chapter 10
Introduction in desinging of power amplifiers in Class A, B and C.
Cool stuff but very technical.
1950 12
Tuned potential amplifiers.
book 2 chapter 11
How to amplify a narrow band of frequencies.
Very technical.
1950 13
Tuned power amplifiers.
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Desinging of tuned power amplifiers.
Very technical.
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book 2 appendix
A lot of graphs with characteristics of several vacuum tubes.
Download and enjoy.
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Hifi-Amplifiers with vacuum tubes.
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Short introduction about amplifiers with examples.
Download and enjoy.
???? 8
Low Frequency Amplifiers with stabilized gain.
book 9 chapter 9
Analysis of feedback, stability problems, single stage drivers, designd of the output stage, design of pentode stage, constancy of gain, stability against oscillation.
Very technical, but cool stuff.
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Low Frequency Feedback Amplifiers
book 9 chapter 10
Frequency-selective networks, frequency-selective amplifiers, design of frequency-selective amplifiers.
Very technical, but cool stuff.
1958 13
Ditect Coupled Amplifiers
book 9 chapter 11
applications, variability of vacuum tube characteristics, single ended triode amplifiers, cascode and other series amplifiers, differential amplifiers, output circuits, heater voltage variation, feedback in DC-amplifiers, current and voltage output amplifiers, photoelectric tube feedback amplifiers, DC-amplifier analysis.
Very technical, but cool stuff.
1958 44
Appendix
book 9 appendix
Appendix A, B and C of book 9.
1958 7
Diode and Triode Valves and Basic Associated Circuits
book 12 chapter 5
Diode rectifiers, gas-filled diode, smoothing circuits, design data for triode valves and more.
Download and enjoy!
1950 20
Valves Amplifiers
book 12 chapter 6
DC and alternating voltage amps, tetrode pentode and beam tetrode valves, radio frequency amps,class A and B power amplifiers and more.
Download and enjoy!
1950 28
Problems in Electronics with Solutions
book 13
Problems about valve characteristics, equivalent circuits, rectification, voltage and current stabilization and amplifiers.
Funny book!!
1967 17
Electron tubes and circuits
book 14
Describtion of any kind of tube and diffrent simple circuits.
Very technical!
1968 36
Amplifier Circuits
book 16
Describtion of electron tube amplifier circuits.
Very technical!
ca. 1969 18

Schaltpläne

Hifi amplifier with no phase distortion up to 30,000 cycles
Mikrofon-Preamplifier with low voltage vacuum tubes
KO-circuit for obtaining amplifier-tube characteristic curves
Circuit for obtaining mutual conductancec characteristic curves
Audio circuits: amplifier, fader control, distortion reducer
2 Phono-Preamplifiers with ECC 83
8 audio circuits from 1968
6 high voltage crt supplies from 1968
6000V DC power supplie from 1964
3100V DC power supplie from 1965
Messender zum Schaltungstest von Empfängern
Röhrenvoltmeter
Industrieempfänger Televox 631
EL12 Verstaerker
EL12 Verstaerker
EL12 Verstaerker
GegentaktVerstaerker nach Friederich Hunold mit 6AS7G
GegentaktVerstaerker nach Friederich Hunold mit 6AS7G verbesserte Version

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